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Apulien im März 2017

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Tour-Übersicht

Tour-Dauer: 6. – 15. März 2017 (10 Tage, ohne Anfahrt)

Wegstrecke/Etappenziele (ohne Anfahrt): Manfredonia – Vieste – San Giovanni Rotondo – Castel del Monte – Matura – Taranto – Gallipoli – Leuca – Otranto – Lecce – Ostuni – Alberobello – Bari – Trani

Gefahrene Kilometer (ohne Anfahrt): 830

Frequentierte Camping-/Stellplätze: Happy Camping Village (Bellaria, IT) – Camping Lido Salpi (Manfredonia, IT) – Masseria Montegusto (Andria, IT) – Masseria del Pantaleone (Matera, IT) – Agricampeggio Torre Sabea (Gallipoli, IT) – Tenuta Giada (Vernole, IT) – Agriturismo Jennery Farm (Lecce, IT), Camping Bosco Selva (Alberobello, IT) – Camping La Batteria (Bisceglie, IT) – Camping Centro Vacanze (San Marino, RSM)

Anfahrt

Apulien liegt im Stiefelabsatz von Italien. Von unserem Domizil aus sind das an die 1200 Km für die Anfahrt. In einem Tag wäre das vielleicht zu schaffen gewesen, aber auch eine Zumutung für Mensch und Maschine. So entschieden wir uns für einen Zwischenhalt auf halber Strecke. Kein leichtes Unterfangen anfangs März. Italien oder zumindest der Tourismus um diese Jahreszeit liegt vielerorts noch im tiefen Winterschlaf. In Bellaria oderhalb von Rimini fanden wir jedoch einen Campingplatz, der bereits teilgeöffnet war. Am nächsten Tag legten wir die Reststrecke von nochmals gut 480 Km nach Manfredonia, dem Ausgangspunkt unserer Tour durch Apulien, ausgeruht und ohne Hektik zurück.

1. Tag – Von Manfredonia nach Vieste und zurück über San Giovanni Rotondo

Fährt man zum Stiefelabsatz runter, wird der Stiefelsporn, d.h. die Halbinsel Gargano, oftmals und sprichwörtlich links liegen gelassen. Zu Unrecht, wie wir meinen. Auch der Stiefelsporn lohnt einen Besuch. Von unserem Campingplatz, im Lido von Manfredonia gelegen, führt die Strasse in Richtung Osten zuerst durch einige Tunnels, dann kurvenreich entlang der Küste mit steilen Klippen, Steinbögen im Meer und Grotten bis nach Vieste, dem äusserten Punkt des Sporns.

 

Die Stadt erstrahlt im Sonnenlicht dank seinen weiss gekalkten Häusern, welche sich in den charmanten Gassen der Altstadt Haus an Haus reihen. Am äussersten Ende der Landzunge, auf welche die Stadt gebaut wurde, hat man einen tollen Blick auf den imposanten Leuchtturm auf der vorgelagerten Insel. Leider ist die zur Stadt gehörende Festung militärische Sperrzone und kann daher nicht besichtigt werden.

 

Geplant war, dass wir die Insel weiter bis zum Lago Verano umrunden und von dort über Gargano Verano nach San Giovanni Rotondo weiterfahren. Leider machte uns eine Panne einen Strich durch die Rechnung. Das automatische Getriebe von unserem Camper blockierte genau zur Einfahrt von Peschici im dritten Gang und liess sich anschliessend über zwei Stunden nicht mehr zum Arbeiten bewegen. Wie durch ein Wunder funktionierte es dann wieder und so konnten wir den bereits aufgebotenen Pannendienst wieder stornieren. Apropos Wunder, in San Giovanni Rotondo wirkte jener viel besuchte Pater Pio, der blutende Wundmahle hatte und Kranke heilen und gleichzeitig an zwei Orten sein konnte. Pater Pio hat indirekt auch für Priska und mich eine ganz besondere Bedeutung. Eine Geschichte, die es lohnt erzählt zu werden, jedoch nichts mit dieser  Tour – oder vielleicht doch – zu tun hat.

Um die verlorene Zeit aufzuholen, liessen wir uns vom Navi ab Peschici auf schnellstem Weg quer durch die Halbinsel nach San Giovanni Rotondo lotsen. Wenn man nicht absolut auf Sandküstenabschnitte fixiert ist und mit engen Serpentinen zurecht kommt, lohnt sich der Weg über diese anspruchsvolle Strecke. Hat man einmal das spröde Vico di Gargano hinter sich gelassen, führt die Strasse zuerst durch sattgrüne Olivenheine gefolgt von märchenhaften Laubwäldern, die sich dann kurz vor unserem Zielort zu einer fruchtbaren Hochebene öffnen.

Wie erwartet, scheint Pater Pio auch lange nach seinem Tod in San Giovanni Rotondo noch allgegenwärtig. An erhöhter Lage findet man die imposante Wallfahrtskirche aus jüngerer Zeit mit angeblich der grössten Kuppel der Welt und mit Platz darin für mehr als 7000 Menschen. Auf dem riesigen Vorplatz sollen sich zu besonderen Feiertagen an die dreissigtausend Gläubige versammeln. Zur Krypta mit 800 Plätzen führt ein breiter von modernen Wandmosaiken mit Pater Pio in verschiedenen Situationen geschmückter Gang. Bevor man zur Beichte zugelassen wird, für die man sich vorher anmelden muss, kann man hier seine Sünden in aller Ruhe nochmals Revue passieren lassen und dabei die Mosaiken bewundern.

 

Für den Besuch von Pater Pio’s Grab (Tomba di Padre Pio) oder den Kreuzweg den Berg hinauf zum Bronze-Jesus hat die Zeit leider nicht mehr gereicht. In der Abenddämmerung kehrten wir erschöpft aber glücklich über die wundersam überstandene Panne zu unserem Quartier am Lido von Manfredonia zurück.

2. Tag – Von Manfredonia über Andria nach Castel del Monte

Wir wussten nicht, ob oder wie gross der Touristenansturm auf das Castel del Monte sein würde. Auch stimmte uns die Wetterprognose für den heutigen Tag nicht allzu optimistisch. Deshalb machten wir uns gleich am frühen Morgen auf den Weg. Die schnellste Route gemäss Navi war der Weg quer durch Andria. Erstaunt über den intensiven Verkehr in dieser Kleinstadt ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten empfehlen wir, die Ortschaft besser grossräumig zu Umfahren. Bis um ein Haar wären wir mitten im Ort aufgrund des Staus ohne ersichtlichen Grund auf den Gleisen der lokalen Bahn stehen geblieben und das bei herannahendem Zug. Mit Glück schafften wir es, unter der sich bereits schliessenden Barriere heil durchzukommen. Das Klingeln der Barriere haben wir jetzt noch im Ohr. Noch benommen vom Schrecken näherten wir uns Castel del Monte. In seiner erhabenen Markanz schon aus der Ferne erkennbar und in grosser Vorfreude näherten wir uns unserem heutigen Etappenziel. Etwas unterhalb der Burg, auf der Suche nach einem Ausweichplatz für ein erstes Foto, stiessen wir per Zufall auf einen Stellplatz. Von hier waren es dann noch etwa einen Kilometer zu Fuss entlang der um diese Jahreszeit wenig befahrenen Strasse SS170. Das Castel del Monte bietet aus jedem Winkel ein tolles Fotosujet. Es ist einfach unbeschreiblich, welche Ruhe und Kraft dieses Bauwerk ausstrahlt. Vermutlich muss auch der Stauferkönig und spätere Kaiser, Friedrich II, die magische Wirkung dieses Ortes gespürt haben, als er sich zum Bau seines achteckigen Jagtschlosses entschied. Für sieben Euro kann man das Castel von innen besichtigen. Auch wenn das Innere über keine nennenswerte Ausstattung verfügt, lohnt sich, wie die Bilder belegen, der Eintritt allemal. Am Nachmittag trat dann wie vermutet der Wetterumschlag ein. Der frühe Vogel fängt den Wurm.

3. Tag – Von Castel del Monte über Gravina in Puglia nach Matera

In Gravina bekamen wir einen ersten Eindruck von den Murien (in den Stein gehauene Behausungen) sowie von der Freundlichkeit der Einwohner Apuliens. Auf der Suche nach einem Parkplatz für unser 7-Meter-Womo fanden wir eingangs der Altstatt von Gravina einen Parkplatz in der blauen Zone. Dummerweise versperrten wir damit die Sicht auf die Schaufenster der Geschäfte entlang der Strasse. Entsprechend wurden wir von den Ladeninhabern gebeten, unser Fahrzeug doch einige Meter nach vorne zu bewegen, um die Sicht freizumachen. Zum Dank für unsere Flexibilität wurden wir mit einem Stadtplan samt entsprechenden Erklärungen ausgestattet. Also, den besten Blick auf die Steinhöhlen hat man von der Altstadt aus. Ebenso lohnt sich ein Besuch der Basilika von Gravina. Von einem Seitenfenster der Kirche hat man einen guten Überblick über die Behausungen aus früherer Zeit auf der anderen Seite des Tals.

 

Die Bezeichnung Sassi von Matera bezieht sich auf die Häuser aus Tuffstein, welche entlang des Felsenhügels total ineinander verschachtelt angeordnet sind. Wir finden, einen tollen Eindruck von dieser einzigartigen und zum Weltkulturerbe gehörenden Siedlung bekommt man an der Plazzetta Pascoli. Von hier hat man auch einen guten Blick auf die Höhlenbehausungen auf der anderen Seite des Torrente de Gravina Matera. Versorgt mit einem Stadtplan vom Tourist Point an der Via Domenico Ricola folgten wir den darin aufgeführten Pfaden, um ja keine der Sehenswürdigkeiten zu verpassen. Einer der Wege führt zur Casa di Grotta von Vito Solitario. Diese Grotte ist eine teils in den Tuffstein gehauene und teils aufgemauerte Behausung des Namensgebers, welcher 1956 per Regierungsbeschluss zur Umsiedlung in eines der neuen Quartiere um Matera komplementiert wurde. Heute dient die Grotte als Museum zur exemplarischen Illustration der früheren Lebensweise von über 50 Prozent der Materaner um und vor dieser Zeit. Eine Besichtigung für drei Euro lohnt sich auf jeden Fall. Auf eindrückliche Weise erfährt man auch auf deutsch, wie Mensch und Tier in solchen Grotten gelebt haben. Wenn die Zeit reicht, sollte man auch dem Dom und der Welt im Untergrund (Ipogei) auf der Piazza Vittorio Veneto einen Besuch abstatten.

4. Tag – Von Matera über Castellaneta, Massafra, Tarent nach Gallipoli

Geplant waren für diesen Streckenabschnitt zwei Tage. In San Vito, gleich nach Tarent wollten wir auf dem Camping Sun Bay Zwischenstation machen. Entgegen den Angaben in unserem Campingführer war der Platz jedoch noch geschlossen und wir daher gezwungen, die Reise bis Gallipoli noch am gleichen Tag fortzusetzen. Im Wissen um die Wegstrecke und den teils sehr ruppigen Strassen verzichteten wir nach Tarent auf einen Besuch von Manduria, der ungekrönten Hauptstadt des Primitivo’s, dem berühmten Wein aus Apulien, und seinem Weinbaumuseum.

Matera verliessen wir am frühen Morgen in Richtung Castellaneta, der Geburtstadt von Rudolfo Valentino, welcher es in Amerika in Zeiten des Stummfilms zu Starruhm gebracht hatte. Im zu Ehren wurden hier Strassen und Plätze benannt, eine etwas eigenwillige Statue aufgestellt, die ihn in seiner Rolle als arabischen Scheich aus dem gleichnamigen Film zeigt, sowie ein Museum eingerichtet. Erstere sind leicht zu finden. Das Museum versteckt sich in einem ehemaligen Palazzo in einer engen Gasse mitten in der Altstadt. Parkieren sie den Camper daher besser an der Peripherie von Matera. Die engen Gassen sind teils schon mit Kleinwagen kaum zu schaffen. Auf die Schlucht mit einem imposanten Felsen, am oberen Ende der Altstadt zu finden, sind die überaus freundlichen Bewohner ebenso stolz. Leider war uns an diesem Tag aufgrund des starken Winds der Zugang versperrt.

 

Massafra, auf einem Hügel gelegen und durch eine in früheren Zeiten mit Wohngrotten perforierten Schlucht geteilt in eine Neu- und eine Altstadt, hat den Abstecher nur bedingt gelohnt. Weder das Castel noch die Grotten konnten wegen der frühen Jahreszeit besichtigt werden. Von einem Besuch der Kathedrale in der Altstadt nahmen wir aus pietätsgründen Abstand, da darin gerade eine Trauergesellschaft Abschied von einem Verstorbenen nahm.

 

Bei einem Zwischenhalt in Tarent lohnt sich ein Spaziergang durch die auf einer Insel zwischen Hafen und Neustadt gelegene Altstadt. Leider tut sich hier die Verwaltung schwer mit dem Unterhalt der historisch teils wertvollen Gebäude. Statt Milliarden in marode Banken zu buttern, würde man sich im fernen Rom gescheiter auf das kulturelle Erbe des Landes besinnen. Zwar würden damit einige tausend gutbezahlte Bankangestellte gezwungen, einer anderen Arbeit nachzugehen, aber zehntausende von Arbeitslosen bekämen damit die Gelegenheit, beim Wiederaufbau der historischen Schönheiten ein Auskommen zu finden. Trotzdem, wagen sie einen Spaziergang in die Altstadt und lassen sie ihren morbiden Charme auf sich wirken. Übrigens, wir haben unseren Camper auf der südlichen Seite, d.h. nach der Brücke beim Castel, parkiert. Hier erstreckt sich die „blaue“ Zone kilometerweit entlang dem Meer.

5. Tag – Besichtigung von Gallipoli

Das historische Zentrum von Gallipoli liegt auf einer über einen kurzen Damm mit dem Festland verbundenen Insel. Eine Ringstrasse führt entlang der Kaimauer um das Zentrum. Besser ist es, den Camper in der Neustadt zu parkieren und das Zentrum zu Fuss zu erkunden, will man die Atmosphäre des historischen Kerns auf sich wirken lassen. Geht man zuerst nach links, kann man die Fischer beim Entladen der Boote oder dem Vorbereiten der Netze beobachten. Schmale Gassen führen von allen Seiten ins Zentrum und zur Basilika. Am äusserten Ende hat man einen direkten Blick auf den Golf von Taranto sowie die Küste rauf und runter. An der Via A. De Pace 87 gibt ein kleines Museum einen fundierten Eindruck vom früheren Leben der Arbeiter der unterirdischen Ölmühlen (Ipogeo). Rund 35 solcher Mühlen ausschließlich zur Produktion von Lampenöl und Seifen aus Oliven begründeten den einstigen Wohlstand dieser Stadt, wovon die zahlreichen Paläste und Kirchen teilweise noch heute zeugen.

6. Tag – Nach Santa Maria di Leuca über Otranto nach Vernole

Mit dem Punta Ristola bei Santa Maria di Leuca haben wir den südlichsten Punkt von Apulien und damit auch von unserer Tour erreicht. Hier treffen der Golf von Taranto und die Adria zusammen. Die Strömung mit meist starkem Wellengang hat zur Bildung zahlreicher Grotten geführt. Weitere besondere Higlights von Leuca sind die Cascata Monumentale mit ihren seitlichen Treppen mit 350 Stufen (bitte nachzählen!) hinauf zum Leuchtturm und zur Basilika. Von hier bietet sich erneut ein wunderbarer Ausblick auf Stadt, Küste und Meer.

 

Der schnellste Weg von Leuca nach Lecce führt an Maglie vorbei über eine Schnellstrasse. Auf diesem Weg würde man jedoch eine malerische Küstenstrasse (SP358) mit vielen tollen Ausblicken und das Hafenstädtchen Otranto mit seiner für ihren Mosaikboden berühmten Kathedrale verpassen. Das Castello Aragonese in Otranto beheimatet ein historisches Museum und ist zugleich Teil der gänzlich ummauerten Altstadt. Fährt man Otranto von Süden an, stösst man zuerst auf einen kleinen See (Laghetto della Cava Buxite), ein Überbleibsel aus der Zeit, als hier noch in grossen Stiel Bauxit abgebaut wurde. Das wäre an und für sich nichts besonderes. Aber bei entsprechender Sonneneinstrahlung am Morgen oder am Abend leuchten die Kraterwände in intensivem Rostrot.

7. Tag – Lecce

Die Barockstadt Lecce und ehemalige Hauptstadt Apuliens (heute ist es Bari) besitzt mehr als nur die Magie des Südens. Einen der schönsten Plätze Italiens, Adelspaläste, prunkvolle Barockkirchen, tolle Cafés und Restaurants sind gute Gründe, dieser Stadt tief im Süden bei einer Tour durch Apulien mindestens einen halben Tag zu widmen. Mehrere Amphitheater und Ausgrabungsstätten bei der Universität belegen, dass bereits die Römer sich hier heimisch fühlten. Gut gefallen haben uns der Dom neben dem knapp 70 Meter hohen Glockenturm, die zahlreichen Kirchen und Paläste mit ihren teils noch immer prachtvollen Fassaden. Besonders an der Via Palmieri zwischen der Porta Napoli und der Piazza Duomo reiht sich ein herrschaftlicher Adelspalast an den nächsten. Besondere Aufmerksamkeit verdient u.a. die Fassade des leicht zurückgesetzten Palastes des Namensgebers dieser Strasse.

 

Jeweils am Wochenende findet im Kreuzgang des einstigen Klosters der Kirche Sant’Irene ein Antiquitätenmarkt statt. Ausser alten Stichen, Büchern und Möbeln kann man mit etwas Glück auch ein günstiges Souvenir kaufen. Als weitere Institutionen gelten wegen den wunderbaren Kuchen, Törtchen und Glaces die Paticceria Alvino an der Piazza Sant’Oronzo bzw. die Gelateriea, Pasticceria e Cioccolateria Natale an der Via Trinchese 7. Wer mehr auf etwas Währschaftes aus ist, wird sein Verlangen im Ristorante Alle Due Corti an der Corte die Guigni 1 (bodenständig) oder im Ristorante Antica Corte (Fisch, lokale Spezialitäten oder Pizza) stillen können.

8. Tag – Über Ostuni nach Alberobello

Das mittelalterliche Städtchen Ostuni, das auf drei Hügeln unweit der Adriaküste liegt, sollte man möglichst früh am Morgen besuchen. Nur wenige Touristen versperren um diese Tageszeit den Blick auf die weiss gekalkten dicht an dicht in engen Gassen stehenden Häuser in der von einer ovalen Mauer umgebenen Altstadt. Hat man es bis jetzt verpasst, ein Souvenir oder eine der lokalen Spezialitäten zu kaufen, kann man das hier gut erledigen. Besonders Stolz ist man auf die farbigen Töpferwaren, das frisch gepresste Öl aus Oliven der Umgebung oder die handgemachten Orecchiete aus Hartweizengries.

In der Chiesa Matrice, die Kirche der Madonna Aussunta, erhält man mit etwas Glück von Antonia eine persönliche Führung entlang den zahlreichen Altären. Die von ihr genannten Namen der zahlreichen Heiligen entlang den Kirchenwänden konnten wir uns leider nicht alle merken. Jedoch haben wir soviel verstanden, dass in Ostuni immer Ende August eine grosse Prozession mit bis zu 50 zumeist in roten Kostümen bekleideten Reitern zu Ehren von Sant’Orenzo stattfindet. Wer das nicht verpassen möchte, sollte 2017 vom 25. bis 27. August vor Ort sein. Eingangs Ostuni, von Brindisi her kommend, gibt es einen grossen Parkplatz, auf dem auch Camper willkommen sind.

 

Die weissen Häuser findet man auch in den Städten Cisternino und Locortondo. Diese Siedlungen liegen am Weg von Ostuni nach Alberobello, unserem nächsten Ziel für diesen Tag. Kurz nach Ostuni kann man bereits die ersten Trulli-Gehöfte erblicken. Das sind meist kleine aneinandergereihte Gruppen runder „Zwergenhäuser“ mit Dächern die aussehen wie Zipfelmützen. Die Gehöfte stehen häufig in Mitten von steingefassten Feldern mit gepflegten Gärten oder Heinen mit knorrigen Olivenbäumen drauf.

Alberobello, die Stadt der 1000 Trulli, wird durch einen in die Länge gezogenen Platz, dem Largo Martellotta, in zwei Teile getrennt. Auf der einen Seite stehen die Trullis mit kleinen Geschäften für die Touristen, auf der anderen befindet sich das ursprüngliche Viertel, in dem es noch so aussieht, als würden hier echte Zwerge hausen. Dass dem natürlich nicht so ist, hat uns Pasquale belegt. Stolz gewährte er uns einen Einblick in sein Elternhaus. Dabei erzählte er uns, dass seine Grosseltern zusammen mit 13 Kindern in diesem winzigen Häuschen gelebt haben. Auch er und seine Frau haben bis vor kurzem noch hier gewohnt. Was sie heute in ihrer neuen grosszügigen Wohnung am Stadtrand von Alberobello am meisten vermissen, ist das im Sommer wie im Winter praktisch gleichbleibende Innenklima, welche diese Trullis dank dicken Mauern aus Kalksteinen zu halten vermochten. Wie schon zahlreiche Prominente vor uns, haben auch wir uns von Pasquale fotografieren lassen. Dabei soll es dem Fotografierten Glück bringen, wenn er sich auf dem Bett sitzend ablichten lässt. Mal schauen!

9. Tag – Zu den Castellana-Grotten und weiter nach Bari

Durch das Itria-Tal mit seinen Olivenbäumen, Weinstöcken und Trullis führte uns heute der Weg nach Castellana. Neben den Grotten von Frasassi unterlhalb Rimini gehören die Castellana-Grotten mit zu den grössten Höhlensystemen Italiens. Für 16 Euro gibt es die grosse Tour bis zur weissen Grotte. Unbedingt machen, falls die Wegstrecke von insgesamt drei Kilometern über mehrere Treppen und teils recht engen und trotzdem noch rollstuhltauglichen Gängen durch die Unterwelt kein Problem darstellt. Alles ist toll ausgeleuchtet und das mehrere Kavernen umfassende Höhlensystem ist wirklich mehr als imposant. Einziger Nachteil dabei ist, dass nach der ersten über 90 Meter hohen und durch eine natürliche Öffnung von oben beleuchtete Grotte das Fotografieren strickt untersagt ist. Zirka drei Stunden sollte man dafür einplanen. Führungen werden in der Saison und zu bestimmten Zeiten auch in deutscher oder englischer Sprache angeboten. Am besten erkundigt man sich vor dem Besuch nach den Startzeiten der entsprechenden Touren. Den Camper kann man im Radius von rund 600 Metern auf einem der mehreren bewachten Parkplätzen (5 Euro pro Tag) abstellen. Von wildem parkieren wird aufgrund der gossen Polizeipräsenz abgeraten.

 

Statt an die Adriaküste nach Monopoli hätten wir unseren nächsten Zwischenstopp auf dem Weg nach Bari besser in Polignano a mare eingelegt. Ausser dem Namen konnten wir an Monopoli nichts aussergewöhnliches finden. In Polignano dagegen sollen die direkt auf die Klippen gebauten Häuser insbesondere vom Wasser aus einen imposanten Anblick bieten.

Bari, der Hauptort von Apulien, unterteilt sich in verschiedene Stadteile. Uns interessierte vor allem die direkt ans Meer angrenzende Altstadt mit der dem heiligen Nikolaus gewidmeten Basilika. Der Legende nach liess ein Trupp von Fischern aus Bari vor ungefähr 930 Jahren den Heiligen oder was noch ihm übrig war, Geschäfte vortäuschend, aus den Händen der vermeintlich Ungläubigen im türkischen Myra mitgehen. Selbstredend dachten sie dabei nicht nur an ihr eigenes Seelenheil allein. Reliquien waren im frühen Mittelalter, und sind es dank den angelockten Pilgern auch heute noch, wahre Gelddruckmaschinen. Die Basilika lohnt aber auch schon wegen ihrer imposanten Bauweise im romanischen Stil einen Besuch. Das Reliquien-Grab vom heiligen Nikolaus befindet sich in der Krypta. Hier sollte man unbedingt Rücksicht auf die innig vor dem Grab betenden Gläubigen nehmen.

 

Durch verwinkelte Gassen vorbei an vor ihren Türen sitzenden und dabei strickenden oder durch offene Küchenfenster zu bestaunende, da mit flinken Fingern Orecchiette (Apuliens öhrchenförmige Teigwaren)  knetenden Frauen, ging es dem alten Hafenwall entlang zurück zum Camper.

10. Tag – Trani

Trani, der letzten Station der Tour durch Apulien, wurde unserer Generation vor allem durch den Dokumentarfilm „Das Wunder von Trani“ aus dem Jahre 2012 bekannt. Eine in Trani aufgestellte Stele, mit den Namen von 54 jungen Männern des Ortes zusammen mit dem Namen eines Oberleutnants der Wehrmacht, einem Friedrich Kurtz, erinnern an den Zweiten Weltkrieg und speziell an den 18. September 1943. Gemäss Wikipedia wurden damals, wenige Tage nach dem Seitenwechsel Italiens zu den Alliierten am 8. September, fünf deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt erschossen. Diese befanden sich in einem Militärfahrzeug auf dem Rückweg von Trani ins benachbarte Barletta. Die regionale Wehrmachtführung nahm an, dass nur die italienische Widerstandsbewegung für die Tat infrage kam und ordnete daher die Erschießung von zehn italienischen Zivilisten aus Trani für jeden getöteten deutschen Soldaten an. Auf dem Marktplatz von Trani – heute Piazza della Repubblica – wurden am besagten Tag 54 Männer für die Exekution zusammengetrieben. Mehrere Frauen wandten sich in ihrer Verzweiflung an den Bürgermeister von Trani und den dortigen Erzbischof, die daraufhin mit Friedrich Kurz verhandelten. Als Ergebnis der Verhandlungen wurden die Geiseln am Nachmittag freigelassen und die Erschießung unterblieb.

Beim linken Ende des Parks, der Villa Communale, hat man einen schönen Blick auf den Hafen und die Kathedrale, eine der wenigen entlang Apuliens Küste, welche direkt ans Meer gebaut wurden. Leider waren bei unserer Visite gerade Renovationsarbeiten zugange.

Rückreise über San Marino und Brescello

In San Marino hat man ausserhalb der Saison bis zur Mittagszeit den historischen Kern sowie die drei Burgtürme praktisch exklusiv. Nur hie und da steht ein Händler vor seinem Souveniershop und versucht, einen Touristen in seinen Laden zu locken. Am Mittag kommen dann die ersten Cartouristen.

Ab dem von uns frequentierten Campingplatz geht der erste Bus schon kurz nach 9 Uhr. Drei bis vier Stunden inklusive der Türme – man muss nicht alle besteigen, um einen Eindruck von der Weitsicht zu bekommen – Museen und Mittagessen sollten für den Besuch von San Marino aber genügen.

 

Ist man mit den Filmen von Don Camillo und Peppone aufgewachsen, gehört einmal im Leben ein Besuch von Brescello in der Emilia Romagna quasi zum Pflichtprogramm eines jeden Italienreisenden. Den berühmten Kontrahenten aus der Romanen von Giovannino Guareschi wurde auf dem Rathausplatz und vor der Kirche mit je einer lebensgrossen Statue aus Bronze ein Denkmal gesetzt. In Kirche Santa Maria Nascente kann man das im Film sprechende Kruzifix bewundern. Es hängt allerdings nicht wie in den Filmen zu sehen, am Hochaltar, sondern gleich beim Haupteingang der Kirche links in einer kleinen Seitenkapelle. Weitere Stationen auf unserem Rundgang durch Brescello waren natürlich der leider schon etwas brüchige Bahnhof, das Haus von Peppone, das Museum mit seinen zahlreichen Requisiten und auf Fotografien festgehaltenen Szenen aus den fünf Filmen sowie die Madonna von Borghetto an der heute stark befahrenen Bundesstrasse SS 62.

 

Leider ohne die Stimme von Jesus zu vernehmen, dafür gestärkt mit einem Panino „Don Camillo“ traten wir dennoch zufrieden unsere Heimreise an.

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