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Die Burgenstrasse 2018

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Tour-Übersicht

Tour-Dauer: 5. – 17. Juni  2018 (12 Tage)

Wegstrecke/Etappenziele (ohne Anfahrt):  Mannheim – Schwetzingen – Neckargemünd – Heidelberg – Neckarsteinach – Dilsberg – Neckargemünd – Hirschborn – Eberbach – Mosbach – Sinsheim – Heilbronn – Öhringen – Buchhorn a. See – Neuenstein – Waldenburg – Wackershofen – Schwäbisch Hall – Kirchberg a.d. Jagst – Gangstatt – Rothenburg o.d. Tauber – Ansbach – Abenberg – Roth – Stein – Nürnberg

Gefahrene Wegstrecke (ohne Anfahrt): 329 km

Frequentierte Camping-/Stellplätze: Wohnmobilstellplatz Mannheim (Mannheim, DE) – Stellplatz Schwetzingen (Schwetzingen, DE) – Camping Friedensbrücke (Neckargemünd, DE) – Campingpark Eberbach (Eberbach, DE) – Wohnmobilstellplatz Genossenschaftskellerei (Heilbronn, DE) – Camping Seewiese (Buchhorn am See, DE) – Camping am Steinbacher See (Schwäbisch Hall, DE) – Camping Tauberromantik (Detwang/Rothenburg, DE) – Camping Waldsee (Roth-Wallesau, DE) – KNAUS Campingpark (Nürnberg, DE)

 

Einleitung

Eigentlich stand für diesen Juni eine Tour zur Atlantikküste und entlang der Loire mit ihren Schlössern auf der Agenda. Kurz vor der Abreise nach Frankreich mussten wir umplanen und entschieden uns deshalb für die kürzere Fahrt auf der Burgenstrasse.

Die Burgenstrasse geht von Mannheim über Nürnberg, Bamberg und Coburg bis Bayreuth. Bezieht man Tschechien noch mit ein, führt die Route grob gesagt weiter nach Karlsberg, Pilsen und bis Prag. Fürs erste wollten wir uns mit der Teilstrecke Mannheim-Nürnberg begnügen. Dass diese Tour mehr als nur ein Trostpreis für das entgangene Frankreich war, haben schon nach den ersten Tagen auf dieser Strasse begriffen. 

 

1. Tag – Mannheim

Unser Startpunkt für die Tour auf der Burgenstrasse war Mannheim. Für uns war diese Stadt ein noch gänzlich unbeschriebenes Blatt. Daher beschlossen wir, etwas Zeit für die Erkundung von Mannheim einzuplanen. Mannheim hat auch neben seinen Söhnen oder der SAP-Arena einiges zu bieten.

Das Zentrum von Mannheim erinnerte uns an einen alten Werbespruch von Ritter-Sport: quadratisch, praktisch, gut. Im Zentrum von Mannheim sind die Häuserzeilen und Strassen nach einem quadratischen Muster angeordnet. Nur die Plätze tragen Namen. Die meisten Strassen sind mit einem Buchstaben und angehängten Nummern von A1 bis U6 ausgeschildert. Beim Anblick der Strassenschilder ging uns immer der Song von U2  „Where the streets have no name“ durch den Kopf.

 

Unseren Rundgang begannen wir am Markplatz. Mit dem Rathaus und der Pfarrkirche – dem ältesten Bauwerk Mannheims – bildet er die barocke Kulisse für den Wochenmarkt und die teils angrenzende Gastronomie mit türkischer Prägung. Vom Paradeplatz im Herzen der erwähnten Quadrate und seinem Grupello-Brunnen sahen wir auf einer Achse den Wasserturm, eines der Wahrzeichen von Mannheim. Im 90 Gradwinkel dazu konnten wir das Barockschloss ausmachen. 

 

Der Wasserturm grenzt auf der hinteren Seite an den Friedrichsplatz. Zusammen bilden sie eine der schönsten Jugendstilanlagen Europas. In der wunderschönen Grünanlage mit seinen Wasserfontänen konnten wir sehr gut den entspannten Rhythmus dieser Stadt aufnehmen.

 

Als nächstes besuchten wir das gut ausgestattete Museum im zweitgrössten Barockschloss Europas. Der weitaus grössere Teil dieser Anlage wird heute als Bibliothek und für Vorlesungen von der angrenzenden Universität genutzt. In der zur Mensa der Uni gehörenden EQU Cafeteria an der Ostseite des Ehrenhofs genossen wir beide für gerade mal 10 Euro ein feines Mittagessen mit Spargeln. So gestärkt konnten wir unseren Rundgang zur Jesuitenkirche und ins Museumsviertel fortsetzen. Dort befindet sich mit dem Reiss-Engelhorn-Museum (REM) einer der grössten Museumskomplexe im Süddeutschen Raum. 

 

Für Priska bildete der Besuch bei Eismanufaktur Fontanella (im Quadtrat Q4) ein letzter Höhepunkt bei der Erkundung dieser Stadt. Der Sohn des Gründers hat 1969 das Spaghetti-Eis erfunden. 

 

2. Tag – Schloss Schwetzingen und Neckargemünd

Vom Stellplatz erreicht man das Barockschloss von Schwetzingen in 15 bis 20 Gehminuten. Der Weg entlang der Mauer zum Schlossgarten vermittelte uns bereits einen Eindruck von der Grösse des Parks. Das Schloss kann ebenfalls besichtigt werden, jedoch nur mit Führung. 

 

Da wir noch etwas Zeit hatten, bevor die Führung startete, unternahmen wir einen ersten Spaziergang durch den Park. Der auf über 72 Hektar Fläche angelegte Schlossgarten ist eine Symbiose aus barocken Stilelementen nach französischem Vorbild und englischem Garten. Er bildet eine Kulisse für faszinierende Bauten wie zum Beispiel die Moschee aus dem 18 Jahrhundert.

 

Ob der Moschee vergassen wir beinahe den Startzeitpunkt für die kundige Führung durch die möblierte Belle Etage des vom Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz als Sommerresidenz genutzten Schlosses. 

Nach der Führung setzten wir unsere Erkundung durch den Park fort. Vorbei an der Orangerie vermittelten uns das ungewöhnliche Badehaus und die über den ganzen Park verteilen Bauten nach griechischen und römischen Vorbildern einen Eindruck von dem, was zur Zeit des Spätbarocks punkto Gartengestaltung in den Fürstenhäusern  am meisten angesagt war. Statt den geplanten zwei Stunden verbrachten wir fast einen ganzen Tag in Schwetzingen.

 

Gegen 16 Uhr war es aber höchste Zeit uns nach Neckargemünd und dem dortigen Camping direkt an am Neckar aufzumachen. Unterhalb der Burgfeste Dilsberg gelegen, führen vom östlichen Tor leider nicht ganz autofreie Gassen vorbei an schmucken Fachwerkhäusern hinunter zur Anlegestelle für die Kursschiffe und über die Evian-Brücke in den neueren Stadtteil mit S-Bahnhof. Von Neckargemünd aus, erreicht man Heidelberg mit dem Bus, der S-Bahn oder mit dem Kursschiff.

 

3. Tag – Heidelberg und Flussfahrt auf der Neckar

Angereist sind wir im Bus der Linie 35. Zugestiegen sind wir an der Haltestelle in Neckargemünd unweit des Campings am südlichen Ende der Freiheitsbrücke. Bis zur Station „Alte Brücke“ in Heidelberg dauerte die Fahrt entlang dem Neckar zirka eine halbe Stunde. Von hier zur Talstation der Standseilbahn hinauf zum Schloss waren es nur wenige Gehminuten. 

 

In den Sommermonaten öffnen die Tore bereits um 8 Uhr. Wie sich herausstellte, waren wir gut beraten, früh nach Heidelberg anzureisen. Die meisten der wirklich sehr zahlreichen  Reisegruppen, starten mit den Besichtigungen gegen 10 Uhr. Schloss und Altstadt locken jährlich Millionen von Besuchern an.

In den Kriegen des 17. Jahrhunderts wurde ein grosser Teil des Heidelberger Schlosses gesprengt und nie mehr vollständig aufgebaut. Dessen ungeachtet sind, neben dem freien Blick über die engen Gassen und dem malerischen Dachgewirr von Heidelberg, der von Ruinen umgebene Schlosshof, die Prunkfassade, das Grosse Fass und das deutsche Apothekermuseum gute Gründe für einen Besuch in diesem Sehnsuchtsort für Romantiker. Ist man noch nicht im Besitz einer Schloss-Card (24 Euro, 1 Jahr gültig) für den freien Eintritt in zahlreiche staatliche Schlösser von Baden-Württemberg, kauft man an der Talstation für 7 Euro eine Fahrkarte inklusive Schlossbesichtigung.

 

Durch die Fussgängerzone der Altstadt und Priska sei Dank vielen Zwischenstopps in den zahlreichen Geschäften, erreichten wir am Nachmittag den Schiffssteg für die Rückreise auf dem Neckar. Nach Überwindung von zwei Schleusen kamen wir mit dem nur im Sommer fahrenden Kursschiff nach rund einer Stunde Fahrzeit unseren Standort Neckargemünd an. 

  

4. Tag – Mit dem Fahrrad nach Neckarsteinach und Dilsberg

Nach Überqueren der Friedensbrücke führte uns der Radweg entlang dem Neckar in die Vierburgenstadt Neckarsteinach. Als Erstes erblickten wir auf der linken Seite die auf dem Fels aufgesetzte, auch als Schwalbennest bekannte Burg Schadeck. Zur rechten Seite reckte sich die schon von weitem über dem Neckar thronende Mittelburg in der Morgensonne. Die um 1200 erbaute Burg wurde über die Jahrhunderte von ihren jeweiligen Besitzern kontinuierlich aus- und umgebaut. Der heute sich im gotischen Stil präsentierende Bau befindet sich im Privatbesitz des Freiherrn von Warsberg mit seiner siebenköpfigen Familie und kann daher leider nicht besichtigt werden. Auch die Vorderburg ist im Privatbesitz und bewohnt. Somit blieb uns noch die Hinterburg oder was davon noch übrig ist. Sie gehört dem Land Hessen und ist frei zugänglich. 

 

Wer sich neben den Burgen auch für einen der bekanntesten Dichter aus der Zeit der Romantik interessiert, wird im Museum im unteren Stadtteil von Neckarsteinach fündig. Hier werden Leben und Werke des Schriftstellers Joseph von Eichendorff (Aus dem Leben eines Taugenichts) vorgestellt. Die spätgotische Kirche, hübsche Fachwerkhäuser und eine 5 km lange Promenade ohne Autoverkehr hinter uns lassend, setzten wir die Radtour über die mächtige Schleuse auf die andere Seite der Neckar in Richtung Dilsberg fort.

 

Nach einem steilen Aufstieg erreichten wir die Befestigungsanlage, welche sich weithin sichtbar auf einem Bergkegel über dem Neckartal erhebt. Vor dem Tor zur mittelalterlichen Stadt weisen mehrere Schilder auf die zahlreichen Parkplätze rund um den Komplex. Mit dem Fahrrad durften wir bis vor die Burg radeln, welche lange Zeit als uneinnehmbar galt. Erst im 19 Jahrhundert wurde die Burg dem Verfall preisgeben und als Steinbruch (!) genutzt. Was davon noch übrig blieb, hatte man anfangs des 20 Jahrhundert sorgfältig saniert. So auch den sechseckigen Turm und ein Teil der Ringmauer, von wo wir einen wunderbaren Ausblick auf das Tal und Neckargemünd genossen. 

 

Nicht entgehen lassen sollte man sich den zur Feste gehörenden Brunnenstollen. Den Schlüssel dazu samt einigem Hintergrundwissen erhielten wir vom freundlichen Burgwart. Nach seiner Meinung diente der Stollen zur Wasserversorgung der Burg während den Belagerungen, denn das Ende des rund 80 m langen und teils nur 1,4 m hohen Stollens befindet sich genau unter dem Burgbrunnen.

 

5. Tag – Hirschborn und Eberbach (30 km)

Unweit der Stadtmauern von Hirschborn gibt es zahlreiche Parkplätze, welche auch für grössere Wohnmobile geeignet sind. Ein weiterer guter Grund diese Perle an der Neckar nicht links liegen zu lassen. Innerhalb der Stadtmauern gab es für uns einiges an schön renovierter Bausubstanz aus dem späten Mittelalter und dem Barock zu bewundern. 

 

Macht man sich die Mühe, vorbei an der Ehrsheimer Kapelle, für den Aufstieg die Treppen hinauf zur Burg Hirschborn, wird man mit einem tollen Ausblick auf die Dächer des Städtchens, die grosse Schleuse und das Neckartal belohnt. Leider waren der Bergfried und das Renaissancepalais (heute ein Schlosshotel) bei unserer Ankunft wegen Renovationsarbeiten geschlossen. Das schweisstreibende Treppensteigen hat sich, wie wir finden, trotzdem gelohnt. Wer sich den Aufstieg aber ersparen will, kann die Burg auch über die Schlossstrasse anfahren. Der Parkplatz befindet sich direkt vor dem nördlichen Burgtor. 

 

Ein weiterer Grund für die kurze Tagesstrecke war das ebenfalls an der Neckar gelegene Eberbach. Hier wollten wir uns genügend Zeit nehmen, um die viel gepriesene Altstadt ausgiebig zu erkunden. Den historischen Stadtkern umgibt eine streckenweise gut erhaltene Stadtmauer mit vier imposanten Ecktürmen. In der überhaupt nicht autofreien Fussgängerzone sind tatsächlich einige alte Fachwerkhäuser zu bewundert. Leider sind hier auch die vielen Bausünden aus den 70er und 80er Jahren allgegenwärtig. Für uns etwas ganz besonderes war die St. Johannes Nepomuk Kirche. Zwar erst in den Jahren 1884 – 87 erbaut, erinnerte sie uns in der Formgebung stark an Renaissance-Kirchen im Italien.

 

Sehenswert wären vermutlich noch die Ruine „Burg Eberbach“, das Zinnfigurenmuseum im Haspelturm, der Pulverturm mit Uhrenstube, ein Mittelalterliches Badehaus oder weitere Museen gewesen. Nach dem ersten eher verhaltenen Eindruck von der Altstadt und hochsommerlichen Temperaturen, wollten wir nach dem Rundgang in der Hoffnung auf eine leichte Brise am Ufer der Neckar, lieber zurück zu unserem Camping. 

 

6. Tag – Über Mosbach, Sinsheim und bis vor die Tore von Heilbronn

Auch der grösste Romantiker braucht mal eine Auszeit von Burgen und Schlössern. Nach Mosbach und seinen prächtigen Fachwerkhäusern u. a. dem Palm’schen Haus auf dem Markplatz und dem Rathaus mit dem Lumpenglöckle, stand uns der Sinn nach kultureller Veränderung. 

 

Die weithin sichtbare Burg Steinsberg mit seinem markanten 30 Meter hohen achteckigen Bergfried immer im Blick, entschieden wir uns für einen Nachmittag im Auto & Technik Museum mit original Concorde und Tupolev, über 50’000 qm Ausstellungsfläche und einem IMAX 3D Filmtheater. 

 

Was gibt es Besseres, als den Tag nach den vielen Eindrücken im Wein-Schatzkeller der Genossenschaftskellerei Heilborn-Erlenbach-Weinsberg inmitten saftiger Reben ausklingen zu lassen. Bei einer fundierten Degustation mit lokalen Weinen haben wir einiges wissenswertes über die hiesige Weinproduktion gelernt. Gut, dass die Kellerei auch über einen eigenen Stellplatz für fünf Wohnmobile verfügt. Nach der grosszügigen Verkostung von Riesling, Lemberger, Trollinger, etc. war an eine Weiterfahrt sowieso nicht mehr zu denken.  

 

7. Tag – Heilbronn, Weinsberg und Öhringen 

Heilbronn ist ein weiteres Beispiel dafür, was ein Grössenwahnsinniger zusammen mit einigen hörigen Schergen alles anrichten kann. In der Kilianskirche zeigt eine kleine Sammlung von Fotographien was nach der Bombardierung im Dezember 1944 von der ehemaligen Reichsstadt übrig geblieben war. Praktisch nichts! 

Beim Wiederaufbau wurden sicher weder Kosten noch Mühen gescheut, einen Teil der reichen Geschichte Heilbronn’s wieder aufleben zu lassen, wenigsten an der Fassade. So vermitteln das Rathaus mit der astronomischen Kunstuhr, die Kilianskirche mit ihrem Hochaltar von Hans Seyfer oder der begehbare Götzenturm einen ungefähren Eindruck von der einstigen Pracht dieser Stadt an der alten Neckar. 

 

Vorbei an den Rebhängen unterhalb des Wartbergs machten wir Zwischenstation in Weinsberg. Die über den Ort wachende Ruine „Weibertreu“ soll an die „Treuen Weiber von Weinsberg“ erinnern. Da das Kernerhaus und heutige Museum zum gleichnamigen Dichter der Romantik erst um 14 Uhr öffnet, beschränkten wir unseren Aufenthalt auf einen kurzen Spaziergang durch den Ort.

 

Nachdem wir unseren Camper auf dem Parkplatz Nr. 9 an der Hunnenstrasse abgestellt hatten, waren wir bereit, Öhringen von seiner schönsten Seite zu erkunden. Nach einem kurzen Spaziergang durch den 300 Jahre alten Hofgarten des Schlosses mit kleinem Tiergehege und noch kleinerer Orangerie durchschritten wir das Tor zum mittelalterlichen Marktplatz. 

 

Für einmal suchten wir unser Heil nicht in der spätgotische Stiftskirche zu unserer Rechten, sondern im gegenüberliegenden altehrwürdigen Gasthaus Krone bei hausgemachten Maultaschen. Da das Renaissance-Schloss zur Linken heute von der Stadtverwaltung genutzt wird und wir das Thema Motoren (Motoren-Museum) bereits am Vortag in Sinsheim geklärt hatten, war unser Rundgang an den teils wirklich hübschen Fachwerkhäusern nach einer Stunde schon zu Ende. Das Weygang-Museum mit seiner Zinn- und Fayencen-Sammlung sparen wir für einen nächsten Besuch dieser Stadt auf. 

 

8. Tag – Nach Schloss Neuenstein, Waldenburg und Hohenloher Freilichtmuseum

In Neuenstein kamen wir zu einer persönlichen Führung durch das Residenzschloss des Fürsten von Hohenlohe. Leider war der Fürst unabkömmlich. Deswegen nicht weniger fundiert vermittelte uns der Schlosswart einen umfassenden Einblick in die reiche Geschichte des im 16 Jhd. im Renaissancestil umgebauten und 1906 umfassend restaurierten Schlosses. Rittersaal, die Waffensammlung im Kaisersaal, die historischen Wohnräume sowie die voll funktionsfähige spätmittelalterliche Schlossküche, welche noch heute vom Fürsten in der Jagdsaison genutzt wird, haben uns allesamt sehr beeindruckt. 

 

Zum Kaffee mit den berühmten Schocko-Croissants ging es dann allerdings nicht in die oberen, vom Fürsten und seiner Familie bewohnten Gemächer, sondern in die Bäckerei von Pfisterer & Göttinger an der Schlossstrasse. 

Um den sinnlosen Widerstand fanatisierter SS- und Wehrmachtsverbände zu brechen, begann die amerikanische Artillerie am 13. April 1945 mit der Beschiessung Waldenburgs. Wie wir auf einer der Informationstafel im Ort nachlesen konnten, wurden dabei und in den darauffolgenden Tagen, grosse Teile des Schlosses und gut 90 Prozent des Ortes zerstört. Der heute begehbare Stauferturn und einige Reste der Ringmauer gehörten zu dem Wenigen, was diesem Inferno in den letzten Kriegstagen standgehalten hat. 

 

In Wackershofen, wenige Autominuten von unserem Camping bei Schwäbisch Hall entfernt, nutzten wir den Nachmittag für den Besuch des Hohenloher Freichlichtmuseums. Auf dem weitläufigen Gelände fühlten wir uns wie auf einer Wanderung durch ländliches Hügelland mit Obstwiesen, Feldern und kleinen Weilern. Wären da nicht die Hinweisschilder vor den rund 70 historischen Gebäuden vom 16. bis 20. Jhd. und die zahlreichen Schulklassen gewesen, wir hätten vermutlich vergessen, dass wir uns in einem Freilichtmuseum befinden.

 

9. Tag – Schwäbisch Hall und Kloster Comburg

Unsere Empfehlung vorweg: Schwäbisch Hall hat sehr viel zu bieten und es lohnt sich, für diese wunderbare Stadt mindestens zwei ganze Tage einzuplanen. 

Vom Camping wählten wir als Einstieg in unseren Erkundungsspaziergang den Stadtpark. Nach rund zwei Kilometern erreichten wir über den Steg beim Grassbödele die Obere Herrengasse, welche uns direkt zum Markplatz führte. Auf der legendären Treppe zur Kirche St. Michael fanden gerade die Proben zu den jährlich stattfindenden Freilichtspielen statt. Soweit wir verstanden haben, ging es um ein Muscial, welches die professionellen Tänzerinnen und Tänzer einstudierten.

 

Vorbei an Marktplatz, Gelblinger Gasse, Froschgraben und Neue Strasse machten wir einen Kehr auf die andere Seite der Kocher. Nach Blockgasse, dem Beckenhof und einem kurzen Besuch des Hällisch-Frankischen Museum (Eintritt gratis) traten wir den Aufstieg zum Kloster Grosscomburg an.

 

Bereits beim Eintreten in das von einem begehbaren Wehrgang umgebene Klosterareal begibt man sich auf eine kleine Zeitreise. Durch das barokisierte Zwingertor, zum romanischen Torbau mit der Michaleskapelle, der barocken Dekanei und weiter zur sechseckigen romanischen Erhardskapelle erreichten wir die Stiftskirche St. Nikolaus. 

 

Der einst im 12 Jhd. im romanischen Stil errichtete Bau wurde in der Barockzeit durch den Würzburger Baumeister Joseph Greising innen wie aussen neu gestaltet. In der Vierung dieser Hallenkirche bestaunten wir bei einer Führung drei aussergewöhnliche Kunstwerke. Die Kanzel mit den sieben Todsünden, das riechverzierte und vergoldete Antependium, welches heute den Altartisch schmückt und einen der vier in Deutschland noch erhaltenen romanischen Radleuchter. Sein aufwendig gestalteter Reif mit den 12 Tortürmen symbolisiert das „himmlische Jerusalem“, welche den wahren Gläubigen, gemäss neuem Testament, nach der Apokalypse eine neue Heimat bieten soll.  

 

10. Tag – Kirchberg a.d. Jagst, Gaggstatt und Rothenburg o.d. Tauber

Auf Nebenstrassen durch die Landschaft von Hohenlohe führte uns der Weg zu unserer ersten Station, der ehemaligen fürstlichen Residenz Kirchberg hoch über der Jagst. Die grösste in die Stadtbefestigung integrierte Schlossanlage Hohenlohes, wird heute grösstenteils als Altersresidenz und Pflegeheim genutzt. Leider sind die restlichen Teile des Schlosses, wie der berühmte Rittersaal, nur im Rahmen von Führungen an Sonntagen zu besichtigen. Hingegen ist das Sandel’sche Museum in der Alten Lateinschule auch Wochentags geöffnet. Mit dem „barocken“ Hofgarten und der Orangerie waren wir schnell durch. Die Orangerie wurde umgenutzt und der Garten ist sehr schlicht gehalten. 

 

Eigentlich wollten wir direkt nach Rothenburg durchfahren. Doch dann fiel uns kurz nach Kirchberg ein Hinweisschild zur Jugendstil-Kirche von Gaggstatt auf. Einen sakralen Bau in diesem Stiel hätten wir hier in dieser sehr ländlichen Gegend nicht erwartet. 

 

Rothenburg, hoch über der Tauber, ist ein Juwel, das anscheinend viele für sich haben möchten. Herausragende mittelalterliche Gebäude, wie die gotische St. Jakobs-Kirche, das Rathaus, die  zahlreichen Türme entlang den grösstenteils intakten Befestigungsanlagen sowie der Burggarten zeugen von der reichsstädtischen Vergangenheit. Wem das nicht reicht, kann sich im Reichsstadtmuseum, im Kriminalmuseum, im deutschen Weihnachtsmuseum oder in den Historiengewölben bzw. dem Alt-Rothenburger Handwerkshaus eine weitere Dosis Rothenburg holen. Und wem das noch immer nicht genug ist, dem empfehlen wir die original Rothenburger Schneebälle (ein im Schmalz gebackenes Mürbegebäck) der Konditorei Diller an der Oberen Schmiedgasse. Die Schneebälle mit Erdbeergeschmack waren besonders lecker und absolut sättigend. 

 

11. Tag – Nach Ansbach, Abenberg und Roth

Für das hübsche Ansbach mit seiner ehemaligen Marktgräflichen Residenz und ihren 27 Prunkräumen, dem Hofgarten, den Kirchen St. Johannis und St. Gumbertus, seinen belebten Gassen entlang einer Vielzahl von Fassaden aus dem Barock und Rokoko, hätten wir mehr Zeit einplanen sollen. Alleine für die pointierte, niemals langweilige Führung durch die Räume des Schlosses der einstigen Marktgrafen von Brandenburg-Ansbach benötigt man über eine Stunde.

 

Da wir auf unserer zweitletzten Etappe bis nach Nürnberg auch noch Abenberg und Roth auf der Liste hatten, blieben für die Altstadt und den Hofgarten von Ansprach nicht mehr allzu viel Zeit. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. 

Das Wahrzeichen von Abenberg ist die 1000 jährige Burg auf dem Hügel. Heute ist hier ein Hotel mit angegliederten Gästehäusern untergebracht. Gemäss Reiseführer soll der Ort über eine romantische Altstadt  verfügen. Nach all den wunderschönen historischen Stätten der letzten Tage konnten wir hier nicht wirklich viel romantisches entdecken. Wer sich jedoch für die Fränkische Geschichte im Detail oder das Klöppelhandwerk interessiert, kommt sicher auf seine Kosten.

 

Also freuten wir uns auf die Besichtigung von Schloss Ratibor in Roth mit seinem imposanten Prunksaal, dem Aushängeschild der ehemaligen Markgrafenstadt. Wegen des zeitgleich stattfindenden „Festival der Wirte“ hatten sich Schloss und Altstadt ganz diesem Fest verschrieben. Dem hätten wir mit einem Besuch des Fabrikmuseums der Leonischen Industrie – Leonische Waren stehen für feinste Drähte aus Gold, Silber und Kupfer für Borten, Tressen, Uniformen oder Christbaumschmuck – ausweichen können, wäre das Museum anlässlich des Festivals nicht ebenfalls geschlossen gewesen. 

 

12. Tag – Stein und Nürnberg

Obwohl an der Burgenstrasse gelegen, werden Stein vermutlich die wenigsten auf dem Radar haben und statt dessen direkt Nürnberg ansteuern. Das wäre schade. In der „Bleistiftstadt“ Stein befindet sich nämlich das Schloss von Faber-Castell und das Museum „Alte Mine“. Beide sind sehenswert.  

Erbaut um 1903 in teils gotischen Stil kann das Schloss und das Museum ohne Voranmeldung jeden 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr mit Führung besichtigt werden. Die wunderbar im Jugendstil dekorierten Räume, Teile der Möblierung und die für die damalige Zeit modernsten sanitären Anlagen sind trotz zweimaliger Annexion, zuerst durch die Wehrmacht und danach durch die amerikanischen Besatzungstruppen bzw. das alliierte Pressekorps während den Nürnberger-Prozessen, grösstenteils erhalten geblieben oder wieder in ihrer einstigen Pracht hergerichtet worden. 

 

Nach dem Besuch des angegliederten Museums „Alte Mine“ wissen wir endlich, wie so eine Miene entsteht, und wie diese in den Holzgriff kommt. Soviel sei verraten, trotz des Namens hat der Bleistift mit Blei überhaupt nichts zu tun. Natürlich war heute auch der Shop des Museums geöffnet. Gegen Vorweisung des Tickets erhält man 15 % Rabatt. Wer die kreative Seite von Priska kennt, wird sich den Rest denken können. 

Nürnberg hätte eigentlich zu einem letzten Höhepunkt auf unserer Tour entlang der Burgenstrasse werden sollen.  Doch heisse Temperaturen und vermutlich eine gewisse Übersättigung liessen uns die Stadt im Eiltempo besichtigen. Vielleicht vermissten wir auch nur den berühmten, romantischen Weihnachtsmarkt? Trotzdem gab es einiges zu sehen. Dazu gehörte die Kaiserburg (teils in Renovation), das Albrecht Dürer Haus, die St. Lorenz-Kriche, die Stadttore sowie Reste der einst mächtigen Ringmauer. Bei schlechtem Wetter wäre sicher noch das einte oder andere Museum oder die Stadt-Bibliothek dazugekommen. Sie soll sehr umfangreich sein.

 

Fazit

Diese Tour hat uns einen spannenden Einblick in die bewegte Geschichte Deutschlands über die letzten Jahrhunderte vermittelt, und das obwohl nach dem letzten Weltkrieg vieles nicht mehr rekonstruiert wurde. Trotzdem ist man mit nur 12 Tagen für diesen Teilabschnitt der Burgenstrasse eher sportlich unterwegs. Besonders wenn man bedenkt, dass wir mit Bad Wimpfen, Bad Friedrichshall und seinem Salzbergwerk oder Wolframs-Eschenbach die vermutlich lohnenswerteren Alternativen zu Waldenburg oder Adenberg übersprungen haben. 

Eine gute Übersicht mit vielen praktischen Tipps bietet die Homepage zur Burgenstrasse. Hier kann man unter „Prospekte & Service“ u.a. auch eine Strassenkarte und Broschüre für Wohnmobile (beides kostenlos) bestellen oder die GPX Daten zum Strassenverlauf runter laden.  

Nach den vielen positiven Eindrücken und Begegnungen auf dieser Reise ist es nur eine Frage der Zeit bis wir uns zum restlichen Teil der Burgenstrasse von Nürnberg bis Bayreuth aufmachen.   

Und noch ein letzter Tipp: Spätestens ab Schwetzingen die Autobahnfunktion im Navi ausschalten!

 

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