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Frankreichs Nordosten 2017

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Tour-Übersicht

Tour-Dauer: 17. August – 23. August 2017 (6 Tage)

Wegstrecke/Etappenziele (ohne Anfahrt): Nancy – Pont-à-Mousson – Verdun – Stenay – Charleville-Mézières – Péronne – Thiepval – Amiens – Poix-de-Picardie

Gefahrene Kilometer (ohne Anfahrt): 381

Frequentierte Camping-/Stellplätze: Campéole Le Brabois (Nancy, FR) – Camping Les Breuils (Verdun, FR) – Camping Du Mont Olympe (Charleville-Mézières, FR) – Camping Le Brochet (Péronne, FR) – Camping Le Bois de Pêcheurs (Poix-de-Picardie, FR)

Einleitung

Auf dieser Tour hatten wir unseren Enkel aus England dabei. Da seine Klasse die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts aktuell zum Thema hat, kamen wir nicht darum herum, den wichtigsten Schauplätzen aus dem WW1 im Osten Frankreichs unsere besondere Beachtung zu schenken.

1. Tag – Anreise nach Nancy

Als Startpunkt für unsere Tour durch den Nordosten von Frankreich haben wir Nancy ausgewählt. Die Busstation für die Linien ins Zentrum (6, 8, 16) befindet sich gleich bei der Zufahrt zum Campingplatz. Das Aller-Retour (Rückfahrschein) kostet Euro 4.5. Von hier dauert die Anfahrt zur Haltestelle Place Carnot je nach Buslinie zwischen 30 und 40 Minuten. Zur kleinen Altstadt mit seinen zahlreichen Restaurants und dem angrenzenden Park sind es von hier noch wenige Meter zu Fuss.

 

Bei der Rückfahrt haben wir noch Zwischenstation beim Gare de Nancy gemacht. Gleich beim dekorativen Bahnhofsplatz führt eine Prachtstrasse mit zahlreichen Geschäften in westlicher Richtung zur Stadt hinaus. Hier befinden sich auch einige der in den Touristenführern erwähnten Gebäude aus der Zeit des Jugendstils. Ansonsten präsentiert sich Nancy eher als weitläufig. Für einen ersten Eindruck von dieser Stadt genügen wenige Stunden. Um den wahren Charme von Nancy zu entdecken bräuchte es aber vermutlich etwas mehr Zeit.

2. Tag – Durch Lothringen nach Verdun

Pont-à-Mousson, unser erstes Etappenziel nach Nancy, macht einen Zwischenhalt lohnenswert. Im hübschen Städtchen an der Mosel kann man rund um den Hauptplatz unter alten Arkaden wandeln und dabei die Auslagen der Geschäfte bewundern. Reisende, welche hier einen längeren Zwischenstopp einlegen möchten, können das Wohnmobil zum Beispiel auf dem Stellplatz beim Jachthafen abstellen. Als Stärkung nach einen Stadtrundgang eignet sich die Pâté Lorraine, eine regionale Spezialität, welche hier in vielen lokalen Bäckereien angeboten werden.

 

Ab Port-à-Mousson sind es etwas über 60 Kilometer bis Verdun. Dabei führt die Strasse über die Hochebene des Parc Naturel Régional de Lorraine. Kurz nach Mittag bezogen wir Quartier im Camping. Gerade rechtzeitig, um mit dem öffentlichen Bus (hält mitten im Camping) zum etwas ausserhalb von Verdun, an der Strasse zum Fort de Douaumont, gelegen Mémorial de Verdun zu gelangen. Dieses Museum bietet eine eindrückliche Ausstellung zu den kriegerischen Auseinandersetzungen vor Verdun während des ersten Weltkrieges. In der Voie Sacrée kann man im aus Harz nachgebildeten Schlamm inmitten des Versogungskonvois der französischen Truppen zwischen Verdun und Bar-le-Duc stehen. Eine Freske zeigt die Reichweite der französischen und deutschen Geschütze, welche damals für 80% der Verwundungen verantwortlich waren. Nebenan werden auf einer schrägen Projektionswand Bilder und Filmaufnahmen aus jener Zeit projiziert. Immer wieder lösen sich Bombeneinschläge mit den Schreien der Soldaten ab. Eine eindrückliche Wiedergabe des damaligen Schreckens!

 

Mit dem gleichen Bus ging es nach gut zwei Stunden wieder zurück ins Zentrum von Verdun. Nach einem kurzen Spaziergang zur Kathedrale, vorbei an Siegerdenkmal und Hafen an der Meuse waren wir bereit für unsere nächste Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Zitadelle Basse eingangs Verdun sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Auf einem kleinen Wagon für 9 Personen fährt man ferngesteuert einen Teil der Zitadelle ab und erfährt so etwas über das Leben und die Kommandostrukturen innerhalb der Katakomben während des Krieges und insbesondere der Schlacht um Verdun um 1916. Die Zitadelle war eine richtige unterirdische Stadt und während der Offensive und den damit verbundenen Bombenhageln der Zufluchtsort tausender Soldaten.

3. Tag – Fort Douaumont, Staney und Charleville-Mézieres

Hinauf zum Fort fährt man an Fleury-devant-Douaumont vorbei. Eine kleine Kapelle und einige Schilder inmitten eines von Bombenkratern verbeulten Waldes erinnern noch daran, dass hier einst ein Dorf gestanden hat. Die Schilder geben Hinweise darauf, was für Gebäude da gestanden haben. Nach einem kurzen Spaziergang durch das ehemalige Dorf Fleury erreichen wir ein weites Feld. Um uns herum Kreuze soweit das Auge reicht. Im Beinhaus von Douaumont ruhen mehr als 130’000 Soldaten.

 

Weiter geht die Geschichtsstunde zuerst unter freiem Himmel beim Fort Douaumont. Von der heute begrünten Kuppe kann man das einstige Schlachtfeld von immensen 176 km2 überblicken. In der Zitadelle führen die Gänge zu verschiedenen Katakomben wo geschlafen, gewaschen, gekocht und auf die Toilette gegangen wurde. Feuchtigkeit und Gestank müssen für die, sich zwischen den Franzosen und Deutschen abwechselnden, Festungstruppen auch ohne kriegerische Handlungen bereits eine enorme Belastung gewesen sein. Besonders beeindruckt waren wir vom zugänglichen Kanonenschacht und einer kleinen Kapelle, hinter deren Mauer die Gebeine von 670 deutschen Soldaten ruhen, welche bei der Explosion eines Munitionsdepots innerhalb der Zitadelle getötet worden waren.

Die beiden Tage umgeben von Krieg und Zerstörung haben uns offen gesagt ein wenig zermürbt. So waren wir nicht unglücklich, unsere Fahrt durch das landschaftlich bezaubernde Lothringen entlang der friedlichen Meuse fortsetzen zu können. An der Strasse finden sich immer wieder Stände, wo in dieser Jahreszeit die berühmten lothringischen und besonders aromatischen Mirabellen direkt von den Bauern angeboten werden.

 

In Stenay besuchten wir zur Abwechslung mal keine ehemalige Kriegstädte sondern eines der best dotieren Brauereimuseum mit über 10’000 Exponaten. Man kann hier wirklich alles über die Entstehung der Braukunst, den Brauprozess wie auch die Art der Vermarktung in früheren Tagen anhand wunderschöner Plakate, erfahren. Leider handelt es sich hier um keine echte Brauerei. Somit fand am Ende des Rundgangs auch keine Degustation statt. Dafür muss man das Museum durch eine Taverne verlassen, wo man diverse Biersorten, wie wir finden zu überteuerten Preisen, kaufen oder konsumieren kann.

 

Charleville-Mézières liegt ebenfalls an der Meuse und verfügt über eine hübsche Altstadt aus dem 17.Jahrhundert. Über eine Fussgängerbrücke vorbei an einem Museum mit zeitgenössischer Kunst erreicht man ab dem Camping in wenigen Minuten die Place Ducale, einen mit alten Gebäuden und Arkaden gesäumten Hauptplatz. Von hier führen verkehrsfreie Gassen mit zahlreichen Geschäften in alle Richtungen.

4. Tag – Über Saint-Quentin nach Péronne

Vom Hauptplatz von Saint Quentin, mit seinem riechverzierten Rathaus (der Platz war bei unserer Ankunft leider mit Sand aufgeschüttet) führt der Weg vorbei an Häusern aus der Zeit des Art-Deco zur Kathedrale Notre Dame. Die Kathedrale mit der wuchtigen Kuppel ist baulich ein Stilgemisch aus romanischer und gotischer Baukunst. Dass die Baumeister des gotischen Teils der Kirche damals noch etwas Mühe mit der Statik hatten, lässt sich gut an den sich leicht nach aussen neigenden Säulen des Hauptschiffes erkennen. Besonders angetan war unser Enkel von den mit Mosaikplatten angelegten Labyrinth in der Mitte der Kirche.

 

In Péronne angekommen, machten wir uns gleich auf zu einer weiteren Geschichtsstunde in Sachen 1. Weltkrieg. In der ehemaligen Festung von Péronne befindet sich ein Museum „Historial de la Grand Guerre“. Dieses Museum widmet sich nicht nur der französischen Seite des Krieges sonder bezieht auch die weiteren Alliierten mit ein. Zu bestaunen sind u.a. die Uniformen sowie die Ausrüstung des gewöhnlichen Infanteristen auf englischer und amerikanischer Seite. Es zeigt auch das schwierige Leben der zivilen Bevölkerung während des Krieges auf. Besonders beeindruckt haben uns die, bei diversen Ausgrabungen der in den Schützengräben, gefundenen Artefakte am Ende des Rundganges.

5. Tag – Nach Amiens und Piox-de-Picardie

Fährt man in Richtung Amiens, Krönungsstätte diverser Französischer Könige und Päpste, kreuzt man Albert. Hier befindet sich ein weiteres Museum, welches der Schlacht an der Somme im 1. Weltkrieg gewidmet ist. Wer sich für das Leben in den Schützengräben der Alliierten interessiert, sollte dieses Museum unbedingt besuchen. Wir hatten nach einem Abstecher auf dem Pfad der Erinnerung zum Monument in Thiepval mit den Gräbern von 70’000 nicht identifizierten britischen und weiteren alliierten Soldaten den ersten Weltkrieg für’s Erste abgeschlossen.

 

Ein Zwischenhalt in Amiens schien uns daher angebrachter, um wieder einmal auf andere Gedanken zu kommen. Amiens und besonders seine Kathedrale sind beeindruckend. Fürs leibliche Wohl sorgen die zahlreichen Restaurants entlang der Somme, die in verschiedenen Kanälen unterhalb der Kathedrale durch die Altstadt fliesst. Die Moule-frite, sofern man Muscheln mag, sind hier besonders zu empfehlen.

 

Nach einem Rundgang durch das Zentrum von Amiens, wir hatten unseren Camper an der Anlegestelle beim kleinen Hafen geparkt, war es Zeit für die Weiterfahrt zur unserem nächsten Campingplatz im kleinen Ort Prix-De-Picardie, ungefähr vier Kilometer von der A29 in Richtung Normandie entfernt. Etwas oberhalb des Zentrums befindet sich der Bahnhof von Poix-de-Picardie von welchem in regelmäßigen Zeitabständen Züge direkt ins nahe Amiens verkehren.

6. Tag – Poix-de-Picardie

Heute haben wir uns eine Auszeit genommen und den Tag mehrheitlich im Camping verbracht und für einen Spaziergang durch das kleine Städtchen hinauf zu seiner geschichtsträchtigen Kirche Saint-Denis genutzt. Der Ort und seine Umgebung war während des zweiten Weltkrieges ein Ziel der deutschen Artillerie, wovon auch die Gräber alliierter Soldatem im Friedhof zeugen.

Fazit

Reist man über den Nordosten Frankreichs, kommt man an der Geschichte des 20. Jahrhunderts nur unschwer vorbei. Dabei haben die Vogesen und Lothringen noch sehr viel mehr zu bieten. Schöne Flusslandschaften entlang der Somme und Marne, Nationalpärke mit vielen Wandrouten und Städte wie Charleville oder Amiens machen den Aufenthalt in dieser Region zu einem abwechslungsreichen Erlebnis.

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