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Kleve – Ouddorp – Luxemburg

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Tour-Übersicht

Tour-Dauer: 14.6. – 28.6.2016 (15 Tage)

Wegstrecke/Etappenziele: Kleve – Nijmegen – Ouddorp – Luxemburg

Gefahrene Kilometer: 507

Frequentierte Camping-/Stellplätze: RCN Vakantiepark Toppershoedje (Ouddorp, NL), Camping Kockelscheuer (Luxemburg-Stadt, LU)

Eigentlich hatten wir die Absicht, das Zeeland in den Niederlanden während mehreren Wochen ausgiebig zu erkunden. Leider zwangen uns dringliche Angelegenheiten zu einer vorzeitigen Rückkehr. Trotzdem möchten wir an dieser Stelle unsere Erlebnisse als Anregung für eine eigene auch etwas umfassendere Tour wiedergeben.

Ausgangspunkt der Reise war Kleve am Niederrhein. Kleve deshalb, weil wir dort unser Fahrzeug eine Versiegelung der Aussenflächen erfahren sollte. Damit wollten wir und tun es noch, sicherstellen, dass das Fahrzeug solange es in unserem Besitz ist, von allen äusserlichen Widrigkeiten möglichst lange geschützt sein soll. Jeder, der sein Wohnmobil zum Beispiel schon mal in einem Pinienwald abgestellt hat, weiss um die Mühsamkeit des Abkratzens von Harzflecken. Dank der Versiegelung genügt ein Wasserstrahl und ein Putzlappen. Kurz darüber fahren, und schon sollte die klebrige Masse weg sein und der Camper wieder im neuen Glanz erstrahlen. So zumindest das Werbeversprechen. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten, ob das Geld gut investiert war.

Zur Versiegelung nach Kleve am Niederrhein.

Nach etwas über sechs Stunden Anfahrt in Richtung Norddeutschland und nach Überquerung der längsten Hängebrücke Deutschlands sind wir Abends in Kleve nahe der Holländischen Grenze angekommen. Somit war sichergestellt, dass wir am nächsten Tag unser Fahrzeug rechtzeitig der Firma CSS zur Behandlung übergeben konnten. Während der Versiegelung ist es nicht möglich, im Wohnmobil zu wohnen. Der Empfehlung von CSS folgend, bezogen wir daher unser Quartier für die nächsten vier Nächte im 3-Sterne-Gästehaus Hasenkath am Deich bezogen. Ins Zentrum von Kleve sind es von hier gut sechs Kilometer. Über ein ganzes Streckennetz von Fahrradwegen gelangt sowohl in die Innenstadt von Kleve aber auch über den Dammweg ins benachbarte Millingen und das Millinger Waard, welche sich bereits auf holländischem Boden befinden. Hat man gleiches vor, lohnt es sich, die Fahrräder mitzunehmen. Insbesondere dann, wenn wie in unserem Fall auch das Wetter so gut mitspielt.

 

Noch ein Wort zum Gästehaus Hasenkath. Dieses befindet sich zirka 100 Meter vom Damm entfernt an einer Seitenstrasse praktisch ohne Durchgangsverkehr im kleinen Weiler Düffelward. Das Zimmer, in unserem Fall war es ein Appartement bestehend aus Schlaf- und Wohnzimmer, kostete uns pro Nacht € 64.- inkl. Frühstück. Neben der überaus freundlichen Besitzerin, Frau Kohlleppel, fanden wir es auch ausserordentlich sympathisch, dass man sich aus den Resten des überaus reichhaltigen Frühstücks ohne schlechtes Gewissen ein belegtes Brot zum Mittnehmen machen darf. Entsprechende Papiertüten zum Einpacken der Brote lagen jeweils auf dem Frühstückstisch. In vielen Hotels und Gasthäusern werden die Resten nach den Mahlzeiten einfach entsorgt, statt es dem Gast zu überlassen, ob er sich damit nicht einen Snack für unterwegs zusammenstellen möchte. Ein Beispiel, das Schule machen sollte, wie wir finden.

Kleve ist eine pulsierende Kleinstatt und Standort einer renommierten Fachhochschule für Technik und Bionik. Zu ihren Sehenswürdigkeiten gehören die im zweiten Weltkrieg völlig zerstörte und nach alten Plänen wieder aufgebaute Marienkirche, ein Kunstmuseum mit angrenzendem Park, die Schwanenburg sowie eine belebtes weil verkehrsfreies Zentrum mit guten Kaffees und Einkaufsmöglichkeiten.

 

Im Umland fallen als Orientierungspunkte die Türme der meist gänzlich aus Backstein gebauten Kirchen sowie einige Windräder zur Stromerzeugung auf. Das nahe gelegene Nijmegen, der ältesten Stadt Hollands, erreicht man zum Beispiel mit einem Bus ab Bahnhof.

Von Kleve über Nijmegen nach Ouddorp

So geglänzt hatte unser Wohnmobil nicht einmal bei der Übergabe von unserem Händler. Zufrieden und ausgeruht von unserem Aufenthalt in Kleve machten wir uns auf den Weg nach Zeeland. An der Strecke passierten wir die Hansestadt Nijmegen, nach eigenen Angaben die älteste Stadt in den Niederlanden. Leider hatte auch hier der Zweite Weltkrieg viel zerstört. Der Marktplatz, Stevenskerk, einige der Gassen im alten Stadtkern und Reste der Wallanlage geben einen Hinweis auf eine bis in die Römerzeit zurückreichende Geschichte dieser Stadt.

Von der Vorfreude auf das Meer gepackt, fuhren wir vorbei an Rotteram in einem Stück zu unserem nächsten Ziel, dem Camping Toppershoedje bei Ouddorp. Entgegen der Prognose zeigte sich das Wetter an der Nordsee von seiner besten Seite. Also rasch den Platz ausgewählt, Markise rausgefahren, Camping-Tisch und -Stühle aufgestellt und Fahrräder aus der Garage und schon konnte es los gehen mit der Erkundung der Umgebung.

 

Da wir nur wenig Vorräte hatten machten wir uns gleich mit dem Fahrrad auf den knapp 10- minütigen Weg nach Ouddorp, einem gemütlichen Badeort mit zahlreichen Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Nach einem kurzen Rundgang und einem Bier in einem Strassenkaffee bei milden 20 Grad war es Zeit uns vor Ladenschluss an den Einkauf zu erinnern. Im örtlichen Jumbo fanden wir eine grosse Auswahl an Markenprodukten, Gemüse und Obst zu für uns Schweizer sensationell günstigen Preisen. Das Leben ganz allgemein mag in Holland auch nicht günstiger sein, an den Lebensmitteln liegt das aber bestimmt nicht.

Vom Campingplatz gelangt man über einen kurzen Fuss- und Fahrradweg zum kilometerlangen Nordseedamm. Unser Beschäftigung für die nächsten Tage bestand deshalb in langen Spaziergängen am Strand und mit unseren Rädern dem Damm entlang nach geeigneten Fotosujets zu suchen und dabei die Meerbrise zu geniessen.

Luxemburg Stadt

Statt noch weitere Stationen in Zeeland anfahren zu können zwangen eingangs erwähnte Dringlichkeiten uns zur baldigen Rückkehr in die Schweiz. So muss auch Brügge auf unser nächstes Aufkreuzen in der Gegend warten. Auf unserer Rückfahrt lagen Brüssel und Luxemburg am Weg. Brüssel kennen wir bereits, aber nach Luxemburg hatten wir es bis dahin noch nie geschafft. Also wollten wir die verbleibenden zwei Tage wenigsten noch für einen Zwischenhalt in dieser Stadt nutzen und steuerten dazu den 15 Busminuten vom Zentrum entfernten Camping Kockelscheuer an.

Warm wir als Schweizer und daher Nicht-Europäer ausgerechnet dieser Stadt einen Besuch abstatten wollten, lag nicht in erster Linie am Europäischen Parlament im modernen Kirchberg auf dem Hügel visa-vis dem Bockfelsen und auch nicht an der Hoffnung, Herrn Jean-Claude Juncker mal unsere Meinung sagen zu können, sondern an der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt.

Frühmorgens nahmen wir an der Haltestelle unweit des Campingplatzes den Bus der Linie 18. Dieser fährt in regelmässigen Zeitabständen von wenigen Minuten direkt ins Zentrum und nach Kirchberg. Die Tageskarte kostet 4 Euro und ist für sämtliche Verkehrsmittel in Luxemburg gültig.

Unweit der Flaniermeile, der Grand-Rue verliessen wir den Bus und steuerten als erstes die Boulangerie Paul an. Hier soll es die besten Eclairs der Stadt geben. Weiter erkundeten wir die Gassen immer in Richtung Hohler Zahn und Kasematten. Im Letzteren durchziehen auf 110 Metern labyrinthartig düstere Gänge den Bockfelsen. Früher wurden sie Waffenlager und Verteidigungsanlage genutzt. Heute sind sie eine der Touristenattraktionen von Luxemburg.

 

Vom Bockfelsen hat man einen tollen Blick auf die Unterstadt. Die kleinen Häuser und grünen Gärten, die sich an das Ufer des Flüsschens Alzette schmiegen, wirken sehr beschaulich. In Luxemburg gab es schon immer ein Unten und ein Oben. Die beiden unteren Stadtviertel Grund und Clausen waren früher berüchtigte Armenviertel. Ein kleiner Fluss diente als Abwasserkanal. Die hygienischen Zustände waren noch bis in das 20. Jahrhundert hinein katastrophal. Zudem fungierte der größte Bau, die Abtei Neumünster, ab 1869 als Gefängnis.
Heute sind die kleinen Handwerkerhäuser liebevoll restauriert. Das Quartier hat sich gewandelt zum hippen Szene-Viertel. Kultige Kneipen und Cafés, Boutiquen, Galerien und Live-Clubs bestimmen das Straßenbild.

Wenige Hauptstädte sind so bekannt und zugleich so unbekannt wie die kleine Weltstadt zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich. Zu Unrecht, wie wir auch als „Nicht-Europäer“ finden.

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