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Route des Chateau d’Alsace 2018

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Tour-Übersicht

Tour-Dauer: 11. – 16. September 2018 (6 Tage)

Wegstrecke/Etappenziele (ohne Anfahrt): Colmar – Holandsbourg – Haute-Koenigsbourg – Kintzheim – Sélestat – Châtenois – Dambach-la-ville – Obernai – Wangenbourg-Engenthal – Wasselonne – Westhoffen – Wangen – Marmourtier – Saverne – La Petite-Pierre – Lorentzen – Lichtenberg – Fleckenstein – Wissembourg

Gefahrene Kilometer (ohne Anfahrt): 213

Frequentierte Camping-/Stellplätze: Camping de l’ill (Colmar, F) – Camping Municipal Les Cigognes (Sélestat, F)  – Camping Municipal Le vallon de l’Ehn (Obernai, F) – Camping Seasonova Les Portes d’Alsace (Sâverne, F) – Camping du Fleckenstein (Lembach, F)

Einleitung

Bei dieser Tour ging es darum, das grenznahe Elsass endlich etwas besser kennen zu lernen. Bei der Planung haben wir uns unter anderem von einem Faltprospekt der Agence de Développement Touristique du Bas-Rhin inspirieren lassen.  

Daneben wollten wir auch sehen, ob wir mit einem viel kleineren Wohnmobil als unserem LMC, welcher für einige Tage in die Werkstatt musste, zurecht kommen würden. Dazu mieteten wir wie immer frei von finanziellen Interessen einem VW California Ocean auf der Basis des T6. 

 

1. Tag – Colmar

Aufgrund der relativ kurzen Anreise zum ersten Camping auf dieser Tour, hatten wir noch genügend Zeit für eine Erkundung von Colmar. Die nach Strassbourg und Mühlhausen drittgrösste Stadt im Elsass ist nicht nur zur Zeit der Weihnachtsmärkte einen Besuch wert. Wer sich ebenfalls zur Route des Chateau d’Alsace aufmacht, sollte die Besichtigung dieser hübschen Stadt unbedingt mit einplanen. Zu verlockend sind die mit Blumen verzierten alten Fachwerkhäuser, die wie durch ein Wunder grösstenteils im letzten Weltkrieg verschont geblieben sind.

 

Nachdem wir unseren Camper auf einen der Parkplätze bei der Altstadt abgestellt hatten, liessen wir uns einfach treiben und die Eindrücke auf uns einwirken. Dabei führte uns der Weg durch Gassen mit Kopfsteinpflaster, vorbei an Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter und der Renaissance, sowie zu einigen der Sehenswürdigkeiten wie die ehemalige Zollstation Koifhus oder das Martinsmünster.

 

2. Tag – Holandsbourg, Haute Koenigsbourg, Kintzheim und Sélestad

Nach einem kurzen Abstecher ab Colmar zur auf 620 m Höhe gelegenen Holandsburg mit einem einzigartigen Rundblick auf den Schwarzwald, die Elsässische Ebene und das Vogesenmassiv, hiess unser nächstes Etappenziel Chateau du Haute-Koenigsbourg. 

 

Die im 12 Jahrhundert erstmals erwähnte Festung befindet sich auf einem weit herum gut sichtbaren Felssporn auf knapp 800 m Höhe. Diese Burg wurde im 30jährigen Krieg fast gänzlich zerstört. Glücklicherweise fand sie Anfang des 20. Jahrhunderts in Kaiser Wilhelm II einen finanzstarken Sponsor. Er liess die Burg ganz im Stile des späten Mittelalters restaurieren. 1937 wurde die Festung auch als Kulisse für den Spielfilm „Die grosse Illusion“ von Jean Renoir genutzt.

 

Nachdem wir entlang der Bergstrasse unmittelbar vor der Burg einen geeigneten Parkplatz für unser Leihmobil gefunden hatten, führte uns ein verwinkelter Rundgang über Zugbrücken, Wendeltreppen und diverse Räume zum Waffensaal (dem einstigen Prunksaal) und weiter hinauf bis zum Bergfried mit seinen Kanonen und seinem einzigartigen 360 Grad-Rundblick. 

 

In Mitten der Burgruine bei Kintzheim zeigt die Greifvogelwarte „La Volerie des Agiles“ eine atemberaubende Flugschau mit den grössten Greifvöglen der Welt. Knapp über unseren Köpfen drehten Bussarde, Alder und Geier ihre Runden. Das Ticket zur Besichtigung der Burg und die Teilnahme an der Vogelschau kann nur im Kombi gekauft werden und kostet für Erwachsene Euro 9.

 

Sélestad ist ein beschauliches Städtchen, mit den für den Elsass  so typischen Riegelhäusern entlang verwinkelter Gassen. Weitere Besonderheiten von Sélestad sind die Kathedrale, das Maison Du Pain sowie unweit davon, die grosse humanistische Bibliothek. 

 

3. Tag – Châtenois, Dambach-la-Ville und Obernai

Das an der Elsässischen Weinstrasse gelegene Châtenois ist keltischen Ursprungs und verfügt über gut erhaltene Ruinen wie den Hexenturm und die Ortenbourg, die um 1262 für den zukünftigen Kaiser Rudolf von Habsburg erbaut wurde. Leider nimmt der durch die enge Hauptstrasse führende Schwerverkehr dem Ort fast jede Beschaulichkeit. 

 

Dambach, welches glücklicherweise von einem fast durchgehenden Festungswall umschlossen ist, ermöglicht eine Erkundung ohne Stress. Besonders das Renaissance-Rathaus und die darum drapierten Riegelhäuser aus dem Mittelalter hatten es uns neben dem ausgezeichneten Wein aus der Frankstein-Hanglage angetan. Die Rebstöcke müssen auf dem Granitboden lange Wurzeln bilden und übertragen dadurch viele Mineralstoffe in die Reben, was dem Wein seinen unverkennbaren Charakter gibt. Zahlreiche Winzer in diesem Ort bieten Degustationen an und verkaufen den Wein auch direkt ab Hof. 

 

Auf der Fahrt nach Obernai sahen wir von weitem ein Kreuz auf dem Hügel, an dessen Flanke sich das Städtchen schmiegt. Das Kreuz ist der heiligen Odile gewidmet, welche als Schutzheilige im ganzen Elsass verehrt wird. 

Im recht touristischen Zentrum von Obernai bilden gut unterhaltene Häuser aus der Renaissance im Stil von Louis  XV einen mittelalterlichen Komplex. Trotz andauerndem Regen liessen wir es uns nicht nehmen, die Altstadt, welche von vier Toren unterbrochene einer Ringmauer mit zahlreichen Türmen, ausgiebig zu erkunden. Unsern Hunger stillten wir im Restaurant la Halle aux Blés mit ausgezeichnetem Flammkuchen im XXL-Format. 

 

4. Tag – Wangebourg-Engenthal, Westhoffen, Wangen und Saverne

Wangebourg-Engenthal befindet sich mitten im grössten Waldgebiet der Vogesen mit über 300 km gut ausgeschilderten Wanderwegen. Idealer Ausgangsort für die Wanderungen ist ein Campingplatz gleich am Ortsrand. Entsprechende Unterlagen zu den Wanderrouten erhält man in der Office de Tourisme mitten im Ort.

Von der Burg aus dem 13. Jahrhundert existiert heute noch die fünfeckige Ringmauer und ein begehbarer 24 Meter hoher Bergfried. Wenn nicht gerade dichter Nebel herrscht, soll die Aussicht bis in den Schwarzwald reichen. Das war sicher mit ein Grund, warum sich die französische Arme vor dem 2. Weltkrieg Wangenburg als Standort für das Oberkommando ausgesucht hat. Wenige Meter von der Burg entfernt hat es Parkplätze. Hier gibt es auch saubere Toiletten. Von der Burg aus gelangt man über einen kurzen Fussweg durch den Wald auch zu den Ruinen der Burg Freudeneck. 

 

Das am Fusse eines Hanges mit Wäldern und Reben gelegene Westhoffen wurde erstmals im Jahre 732 erwähnte. Die im 13. Jahrhundert errichtete Stadtmauer umschliesst noch heute die gesamte Altstadt. Vom Festungswall aus hat man ein Panorama ins Vogesenvorland bis zum Strassburger Münster. Die mittelalterliche Kirche Saint-Martin mit Kirchenfenster aus dem 13. und 14. Jahrhundert und die zahlreichen  Fachwerkhäuser vom 15. bis 18. Jahrhundert sind weitere Sehenswürdigkeiten dieser Stadt.

 

Nach einem Vormittag mit so vielen Eindrücken meldete sich der kleine Hunger mit einem leisen Magenknurren zu Wort. Im Charrue d’Or am Hauptplatz von Westhoffen bot sich die Gelegenheit, eine weitere Spezialität der Region zu probieren. Die Lewer Knepfle mit hausgemachten Fritten können wir mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

 

Das etwas abseits gelegene und bei unserer Besichtigung sehr beschauliche Wangen gilt dank seiner über 1000 Meter langen Ringmauer als die erste befestigte Stadt an der Weinstrasse. Einzig im Juli zur Zeit des Brunnenfestes „Fête de la Fontaine“ dürfte es mit der Ruhe vorbei sein. In Erinnerung an einen gewonnenen Rechtsstreit, dessen Folge die Abschaffung einer alten Steuer war, verteilt die Gemeindeverwaltung im Juli symbolisch fließenden Wein aus diesem berühmten Brunnen.

 

Manchmal kann es sich lohnen, auch einmal zurück zu schauen. In Marmoutier, an der Strasse nach Saverne, war ein solcher Moment. Beinahe am Ende der Hauptstrasse angelangt, sahen wir im Rückspiegel eine Kirche im romanischen Baustil. Soviel sei verraten, wer sich für sakrale Architektur interessiert, wird hier einige Überraschungen erleben.

 

Seit der romanischen Zeit ist Saverne eine Durchgangs- und Transitstadt. Rund um diesen strategisch wichtigen Ort wurden im Mittelalter zahlreiche Burgen errichtet, darunter die Burgen Hohbarr und Greiffenstein. In und um die Stadt mit seiner verkehrsfreien Fussgängerzone gibt es weitere zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie den vom Square Latouche aus sichtbaren mittelalterlichen Festungswall, die Kirche „Notre-Dame-de-la-Nativité“ mit ihrem Glockenturm (Mitte 12. Jhdt.), das Kloster der Rekollekten aus dem 14. Jahrhundert, der Cagliostro-Turm, der Telegraphenturm Chappe sowie das im 18. Jahrhundert im neoklassischen Stil erbaute Rohan-Schloss.

 

In Letzterem befindet sich heute ein kleines Kunst- und Geschichtsmuseum. Besonders gut gefallen haben uns die hier gezeigten Werke von  Alfred Roll (Paris, 1846-1919), einem der wichtigsten Vertreter des Naturalismus.

 

5. Tag –  La Petite-Pierre, Lorentzen und Burg Lichtenberg

Die im 12. Jahrhundert auf einem strategisch bedeutsamen Pass an einer sehr alten Wegkreuzung  zwischen Elsass und Lothringen erbaute Bergfestung von La Petite Pierre befindet sich an der Peripherie der befestigten Stadt. Leider war die Festung wegen umfassender Renovationsarbeiten geschlossen und wird es auch in absehbarer Zukunft bleiben. Wer trotzdem das pittoreske Städtchen mit seinen kleinen aber feinen Museen oder die Umgebung erkunden möchte, parkiert sein Wohnmobil am besten auf dem Platz bei der Touristeninformation.

 

Von der teils heute noch bewohnten Niederungsburg in Lorentzen hatten wir uns mehr erhofft. Die einst von einem Wassergraben geschützte Burg präsentierte sich in einem recht desolaten Zustand. Da sich die Burg auf einem Privatgrundstück befindet, können lediglich die Aussen- und Nebenanlagen  wie Zehntscheune (Touristeninformation und Ausstellungen) sowie die Burgmühle (genutzt zur Unterbringung und Bewirtung von Gruppen) besichtigt werden.

 

Die auf einem Hügel über dem Dorf thronende Burg Lichtenberg ist heute ein Kulturzentrum, dessen Themenschwerpunkt der 2. Weltkrieg ist. Die faszinierende Geschichte der Burg gibt es auf einem drei-sprachigen, mit Zitaten der ehemaligen Burgbewohner ausgeschmückten Rundgang zu entdecken.

 

6. Tag – Burg Fleckenstein und die Stadt Wissembourg

An letzten Tag unserer Tour auf der Route des Chateau d’Alsace standen zwei besondere Leckerbissen auf dem Programm. 

Hoch über den Wäldern der Nordvogesen liegt die im 12. Jahrhundert aus rosa Sandstein errichtete Festung Burg Fleckenstein – eine der markantesten Burgen des Mittelalters!

Mit einem informativen Flyer von der Burgkasse ausgestattet, erkundeten wir bereits kurz nach 10 Uhr (Öffnungzeit) die Ueberreste der einst in den Fels gehauenen Festung mit seinen Sälen, Treppen, Brunnen und Zisternen. Für die Kinder wurde zudem ein spielerischer, dreistündigen Rundgang durch die „Rätselburg“ sowie eine Spielausstellung „Wald und Sandstein“ eingerichtet. Fleckenstein ist auch ein idealer Ausgangsort für Ausflüge zum mittelalterlichen Spielplatz des Gimbelhofs, dem Vier-Burgen-Weg, zur Deutschen Märchenstraße und zur Eisenmine in Nothweiler.

 

Wissembourg, einst ein kleiner Marktflecken für Handwerker und Winzer, gilt als das Tor zu Frankreich und zum Naturpark der Nordvogesen.  Dank ihrer Abteikirche Saints-Pierre-et-Paul (St. Peter und Paul, 13. und 14. Jhdt.) und ihrer Kapelle aus dem Jahr 1033 ist diese angenehme Stadt mit ihrem bemerkenswerten architektonischen Kulturerbe auch eine beliebte Etappe auf der Romanischen Strasse.

 

Auf unserem Rundgang besuchten wir die Abteikirche mit der grössten ganzfigürlichen Freske Frankreichs, der 11 Meter hohen Darstellung des Heiligen Christophorus aus dem 14. Jahrhundert, schlenderten vorbei am Rathaus, dem Salzhaus mit seinen eigentümlich geschwungen Dachlukarnen und weiter ins Quartier Le Bruch ausserhalb der Stadtmauern. Auf dem umgebauten Festungswall mit seinen Fusswegen durch zahlreiche Parks und Grünflächen liessen wir unsere Tour durch das Elsass bei einem gemütlichen Spaziergang ausklingen. 

 

Fazit

Das Elsass ist landschaftlich, kulturell, wie auch kulinarisch sehr reisenswert. Die Menschen hier waren zu uns immer sehr freundlich. Mit den Meisten konnten wir uns auf deutsch oder in englisch unterhalten. Die Preise entsprechen ungefähr dem Niveau von Deutschland. Einzig die Strassen, vor allem im nördlichen Elsass beziehungsweise den Vogesen, können recht schmal und kurvig sein. Also aufgepasst auf die teils sehr entgegenkommenden Motorradfahrer.  

 

 

 

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